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Das Hobby zum Beruf machen – viele talentierte Selbermacher streben nach einer unabhängigen Zukunft mit ihrer Handwerkskunst. Ein erster Schritt wäre, neben dem eigentlichen Beruf ein Kleingewerbe zu starten, um so in der Branche Fuß zu fassen. Dabei gilt es von Anfang an einige Punkte zu beachten, um nicht später unliebsame Post vom Finanzamt zu bekommen.

Als kleingewerblicher Unternehmer hast Du nicht nur Rechte, sondern auch auch Pflichten. Von Anfang an ist es daher empfehlenswert, sich ausgiebig darüber zu informieren, ob diese Gewerbeform für Deine Zwecke geeignet ist. Einige Vor- und Nachteile sind:

 

Vorteile

Nachteile

  • Ein Kleingewerbe zu gründen ist formlos und kostengünstig gegenüber anderern Gewerbeformen.

  • Bei der Firmierung – also der Wahl des Firmennamens – ist man eingeschränkt und neben dem Eigennamen darf höchstens eine Geschäftsbezeichnung genannt werden, die jedoch nicht firmenähnlich erscheinen darf.
  • Für ein Kleingewerbe ist kein Startkapital notwendig.
  • Man haftet mit seinem Privatvermögen.
  • Nimmt man weniger als 17500 Euro ein, kann man auf eine Einnahme – Überschuss Rechnung verzichten und eine normale Steuererklärung machen. Außerdem entfällt die Umsatzsteuer.

  • Hat man in erster Linie mit Geschäftskunden zu tun, ist das Nicht-Ausweisen der Umsatzsteuer nachteilig. Denn wer Umsatzsteuer ausweist, ist für jedem Vorsteuerabzug dankbar.
  • Als Inhaber eines Einzelunternehmens ist man sozialversicherungsfrei.

  • Dadurch, dass man nicht in die Sozialversicherungen einzahlt, muss man sich entsprechend selbst um die Versicherungen kümmern.

  • Eine einfache Buchführung nach der Einnahme – Überschuss – Rechnung ist möglich, man muss sich also nicht intensiv mit doppelter Buchhaltung auseinander setzen.

  • Für die Gewerbesteuer gilt für Kleingewerbe ein Freibetrag von 24500 Euro jährlich.

Ein Kleingewerbe ist genau das Richtige für Dich? Super! Denke daran, dass das Kleingewerbe beginnt, sobald Du erstmals als Gewerbetreibender nach außen hin auftrittst – zum Beispiel, wenn Du Handwerksmaterialien für Deine Arbeit erwirbst. Bei mangelndem Gewerbeschein drohen bis zu 1000 Euro Bußgeld. Deswegen brauchst Du zuerst einen Gewerbeschein. Das funktioniert in etwa so:

  1. Suche zuerst auf der Homepage Deiner Gemeinde oder Stadt die Gewerbeanmeldung, drucke sie und fülle sie vollständig aus. Für manches Kleingewerbe müssen bestimmte Auflagen und Meldepflichten erfüllt sein – auch das ist im Vorfeld zu erledigen.
  2. Zusammen mit einem Personalausweis oder Reisepass, den eventuell nötigen Unterlagen und der vollständig ausgefüllten Gewerbeanmeldung beantragst Du beim hiesigen Gewerbe- oder Ordnungsamt den Gewerbeschein. Das kostet je nach Region zwischen 15 und 60 Euro.
  3. Nach der Anmeldung beim Gewerbeamt erhält man automatisch einen Vordruck zur steuerlichen Erfassung vom Finanzamt. Das wird natürlich ausgefüllt und zurück gesendet. Unter dem Punkt „Angaben zur Anmeldung und Abführung der Umsatzsteuer“ nimmst du die Kleinunternehmerregelung in Anspruch, falls diese zutrifft. Bei einem geplanten Umsatz unter 17500 Euro ist man damit von der Umsatzsteuer befreit.
  4. Rein theoretisch informiert das Gewerbeamt die anderen Behörden über Deine Gewerbeanmeldung – allerdings nicht immer rechtzeitig. Melde Dich daher lieber selbst bei der Berufsgenossenschaft (innerhalb einer Woche) und der Industrie- und Handelskammer um Strafen zu vermeiden. Das gleiche gilt für die Krankenkasse und andere Versicherungen, da auch hier eventuell höhere Beiträge anfallen.
  5. Ein Eintrag ins Handelsregister ist erst dann verpflichtend, wenn Du mit Deinem Kleingewerbe den Status „Kaufmann“ erreichst. Ansonsten kannst Du dich auch freiwillig eintragen, unterliegst jedoch dann allen Rechten und Pflichten eines Kaufmanns.
  6. Am Jahresende wird mit einer Einnahme – Überschuss – Rechnung ermittelt, was für ein Gewinn erwirtschaftet wurde und dementsprechend eine Einkommensteuererklärung gemacht. Sollte dein Gewinn unter 17500 Euro liegen, reicht eine normale Steuererklärung.

Somit steht dem Start mit dem eigenen Kleingewerbe nichts mehr im Wege. Es lohnt sich dennoch, sich über einige Themen weiter zu informieren, wie zum Beispiel welche Steuern abgeführt werden müssen. Auch das Thema Buchhaltung verdient Beachtung. Denn wie für alle Unternehmer gilt auch für Dich als Kleinunternehmer die Pflicht zur ordnungsgemäßen Buchhaltung. Diese verpflichtet Dich dazu, alle Deine Geschäfte zu verzeichnen, damit daraus Rückschlüsse auf die Art und den Umfang des Geschäfts, sowie die allgemeine Ertrags- und Vermögenslage Deines Kleingewerbe möglich ist. Selbstverständlich musst Du nun auch ordnungsgemäße Rechnungen stellen und jedwede Korrespondenz und Zahlungsbelege die mit Geschäftsvorfällen verbunden sind aufbewahren.

In diesem Artikel erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit, es soll Dir lediglich eine Übersicht zeigen, was Dich erwartet, wenn Du diesen Weg bestreiten willst. Aber wie Du siehst, sind die Hürden nicht hoch. Die Anmeldung über das Amt ist eine einmalige Lauferei, Buchhaltung kann man sich innerhalb kurzer Zeit selbst beibringen und im Internet gibt es jede Menge Anlaufstellen für Existenzgründer und angehende Selbstständige.

Auf alle Fälle wünschen wir Dir viel Erfolg mit der Selbstständigkeit und Deinem Kleingewerbe!

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